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ReGen Village – das autarke Selbstversorger-Dorf

Herbert Gruber
vorgestellt von Herbert Gruber

ReGen Villages + EFFEKT at Venice Biennale from RegenVillages on Vimeo.

Wie werden wir morgen leben? Der Klimawandel und das Thema Rohstoffknappheit werden entscheidenden Einfluss auf die Beantwortung dieser Frage nehmen. Ein weltweit bislang einmaliges Community-Modell aus den Niederlanden zeigt, wie das konkret aussehen könnte.

Die Ausgangslage

Bis zum Jahr 2050 werden knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben, viele davon in überfüllten Städten. Die immer knapper werden Ressourcen an Wasser, Energie und Rohstoffen (auch zur Lebensmittelherstellung) werden auf immer mehr Köpfe verteilt werden müssen. Die Lebensmittelherstellung verbraucht heute etwa 70 Prozent des weltweit verfügbaren Frischwassers, etwa 40 Prozent aller weltweiten Lebensmittel stammen von bewässerten Flächen. Bis 2050 wird der weltweite Einsatz von Wasser in der Landwirtschaft noch einmal deutlich steigen. So die Fakten und Prognosen verschiedener Experten.

Auch die aufstrebende Mittelschicht in vielen bislang noch unterentwickelten Ländern wird in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass sich Konsum und Wohlstand weiter verbreiten und das Ökosystem der Erde immer näher an seine Grenzen kommen wird. Eine globale Herausforderung in diesem Maßstab hat es in der Geschichte der Menschheit bisher nicht gegeben.

Die Lösung

In Almere in den Niederlanden soll in den nächsten 18 Monaten das sogenannte ReGen Village entstehen – die weltweit erste autarke Dorfgemeinschaft, die nicht mehr nur ihre eigene Energie produziert, sondern auch dafür sorgt, dass die Bewohner ihre Biolebensmittel selbst gewinnen können. ReGen Villages (»ReGen« steht für »regenerativ«) bestehen neben Wohnhäusern aus Gewächshäusern und verschiedenen öffentlichen Gebäuden.

Mit ReGen Villages wird das Rad nicht neu erfunden, sondern auf bewährte Technologien und erprobte Verfahren gesetzt, die in einem Community-Verbund dafür genutzt werden, ein eigenes, von der Außenwelt unabhängiges Ökosystem aufzubauen. Im Dorf gibt es dafür verschiedene Gebäude, die unterschiedliche Funktionen erfüllen, um für die wichtigen Ressourcenkreisläufe zu sorgen: Der Abfall, der in den Haushalten anfällt, wird in »kompostierbar« und »nicht kompostierbar« getrennt. Nicht kompostierbarer Biomüll wird zur Erzeugung von Strom und Wasser in Biogas umgewandelt. Kompostierbarer Biomüll kommt als Futter für Vieh und die sogenannte »Soldatenfliege« zum Einsatz. Diese wiederum dient als Futtermittel für die Fischzucht. Die Abfälle, die bei der Viehzucht anfallen, dienen als Dünger für die Gärten. Die Ausscheidungen bei der Fischzucht werden zur Aufzucht von Gemüse und Früchten im Aquaponik-Verfahren genutzt.

Auch mit Solaranlagen, Energiespeichern und Regenwassergewinnungsmethoden kommen weitere bekannte Recyclingmaßnahmen zum Einsatz, die im ReGen Village zum normalen Alltag gehören werden. Wichtige Bestandteile des Konzepts sind auch die vertikalen Gemüseanbauflächen: Die Bewohner der ReGen Villages sollen so zur Herstellung von Gemüse und Obst 98 Prozent weniger Landfläche benötigen als die konventionelle Landwirtschaft.

Die Alternativen

Betrachtet man die gegenwärtige und drohende Faktenlage, gibt es keine ernstzunehmenden Alternativen zum Lebensmodell der regenerativen Community. Die Visionäre der ReGen-Villages-Idee sehen Almere als Piloten für ein weltweites neues Lebensmodell-Projekt. Großes Potenzial für die unabhängigen Communitys sehen die Visionäre vor allem in den Entwicklungsländern, wo immer noch Milliarden von Menschen fernab von besseren Lebensbedingungen in entlegenen ländlichen Gegenden leben. Nach den Niederlanden soll das Konzept auch in Dänemark, Norwegen und Deutschland zum Einsatz kommen. (Text von: www.zukunftpassiert.de/regen-villages-sieht-so-das-lebensmodell-der-zukunft-aus/)

Mehr Infos (englisch): http://www.effekt.dk/work/#/regenvillages/

Über den Autor

Herbert Gruber

Herbert Gruber

Netzwerker seit der Gründung des ASBN 1999, Obmann des ASBN seit 2006, Buchautor (Bauen mit Stroh, Neues Bauen mit Stroh), Gesellschafter von StrohTec (Österreichs erster Strohbaufirma), hat in Ravelsbach im Zuge eines Haus der Zukunft plus-Projektes die Virtuelle Stroh-Baustelle ins Leben gerufen, wo seit 2010 regelmäßig Workshops stattfinden. 2015 gründete er die Kooperation StrohNatur, die nun auch Strohballenhäuser (mit und ohne Workshops) errichtet.