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Strohbau-Techniken

Im Wesentlichen unterscheiden wir im Strohballenbau folgende konstruktive Techniken:

Lasttragend

1. Lasttragend mit oder ohne Vorspannung

Die Ballen werden wie Ziegel im Versatz (ohne Mörtel) aufgemauert und mit Stangen (Holz, Bambus) innen oder außen versteift. Nach dem Setzen (4–6 Wochen) kann die Wand direkt verputzt werden. Bei der Vorspannung wird die natürliche Setzung durch Spannvorrichtungen wie Gurte und Seile oder Klammern und Pressen (außen) künstlich herbeigeführt. Die Kompression der Ballen kann auch durch Gewichte am Dach herbeigeführt werden.

1a. Lasttragend mit Großballen

Großballen sind höher belastbar und daher statisch bestens für den lasttragenden Strohballenbau geeignet. Die Großballentechnik hat sich vor allem in der Schweiz (Werner Schmid), in Südtirol (Margaret Schwarz) und zuletzt auch in Österreich (Stroh+Lehm, StrohPlus) entwickelt. Zu bedenken ist allerdings der doch extrem höhere Platzbedarf der Wände, was diese Technik im urbanen Gebiet zumindest fragwürdig macht.

1b. Gewölbe, Dome, Rundungen, Nischen

Da Strohballen leicht bearbeitet – gekürzt, gebogen oder abgeschrägt – werden können, sind “organische” Rundungen, Nischen, Bögen und Gewölbe vor allem bei lasttragenden Strohballen-Wandsystemen möglich. Allerdings müssen zum Niederspannen auch Fussschwelle und Ringanker in der Form der Wände ausgeführt werden, was die Formflexibilität etwas einschränkt. Lasttragende Gewölbe und Dome ohne separates Dach werden aber meist ohne Ringanker komprimiert.

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(Einfach-Ständer-)Hybridsysteme (wie z.B. die CUT-Technik)

Die Vorteile der lasttragenden Strohbautechnik werden mit den Vorteilen der Ständerkonstruktionen gepaart: die Strohballen übernehmen in Kombination mit den Putzoberflächen die (wind)aussteifende Funktion, die Ständer sorgen zusätzlich für die Abtragung der statischen Lasten. Manchmal sind auch Hybridsysteme auf einer Seite diagonal ausgesteift (Diagonallattung oder aussteifende Platten). Beispiele dafür sind Tom Rijvens CUT-System (cells under tension) und Pascal Thepauts Kolotec-System. Beim CUT-System (das eigentlich vom französischen Strohballenbauer Jean Marie Haquette erfunden wurde) verhindern die CUT-Leisten die Knickung (Durchbiegung) der Ständer und halten den Strohballen in der Konstruktion. Hybridsysteme werden entweder beidseitig oder einseitig direkt beputzt. Auch in der Sanierung (Wrapping) kommt die Hybridtechnik zur Anwendung.

Mit dem OrganiCut-System hat das asbn die CUT-Technik weiter entwickelt, wodurch auch Dome, Gewölbe, Rundhäuser und andere organische Formen in Hybridbauweise (mit einem tragenden Ständer) möglich werden.

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2) (Doppel-)Ständerkonstruktionen (inkl. Modulbauweise)

2a) (Holz)-Rahmenbauweise “infill”

mit Strohballen-Dämmung zwischen den Holzständern: Die Strohballen werden in diesem Fall nichttragend als Dämmstoff in die Zwischenräume geschlichtet und evtl. verdichtet, um Setzung zu vermeiden. Dabei wird die Eigenschaft der Ballen genutzt, dass diese (nach dem Durchschneiden der Schnüre)  in der Längsrichtung expandieren und damit die Lücken zwischen Stroh und Konstruktion schließen. In dieser Technik können auch leichtere Ballen eingefüllt und mit Ballen-Lagen verdichtet werden, da das Mindestgewicht von gut dämmenden Ballen bei 85 kg/m3 beginnt und die Oberflächen üblicherweise beplankt (doppelte Sicherheit) und nicht direkt beputzt werden.

2b) Infill-Holzständer-Konstruktion, von StrohTec 1999 (Mitarbeit: Herbert Gruber/asbn) entwickelt, von IBO, GrAT und ASBN durchgerechnet, geprüft und getestet (siehe Haus der Zukunft-Bericht: Wandsysteme aus Nachwachsenden Rohstoffen) und vom asbn im Lauf der Zeit modifiziert und an die Passivhausbauweise angepasst. Diese Konstruktion wird (in kleinen Varianten) in Österreich am häufigsten gebaut. Bei diesem System werden die gesamten Wände einer Seite des Gebäudes in Rahmenbauweise vorgefertigt. Die Montage erfolgt mit dem Kran. Eingefüllt können die Strohballen in der Halle oder auf der Baustelle werden.

2c) Modularer Strohballenbau (Prefab)

In der Vorfertigung (Prefab) in Zimmereien können Bauteile schneller und damit kostengünstiger hergestellt werden, weshalb immer mehr Zimmereien diesen Weg einschlagen. Die Ballen können nach wie vor von der Baufamilie in Absprache mit der Zimmerei in der Halle eingefüllt werden. In einigen Fällen werden die Module an die Architektur des Hauses angepasst (variable Größen), in manchen Fällen sind die Module an die Strohballenformate angepasst, was die Planung aufwendiger macht. Einige Prefab-Module werden auch bereits mit einer Grobputzschicht versehen (was bei liegenden Modulen einfacher ist), Transport und Montage (Kran) werden dadurch aber aufwendiger.

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3) Wrapping (thermische Sanierung oder Neubau: Strohballen außen vorgesetzt)

Eine (üblicherweise 36 cm dicke) Außendämmung aus Strohballen wird mit Spanngurten oder einer Hilfskonstruktion aus Holz (Hybridsysteme) o.ä. vor bestehende Mauern oder Wände (z.B. schlecht gedämmte Gebäude, ungedämmte Hallen, Scheunen etc.) oder auch einfache Holzkonstruktionen (Scheunen) gesetzt.

3a) Ständerkonstruktion außen gedämmt

Die Strohballen werden außen vor eine Riegelkonstruktion gesetzt und bilden eine durchgehende Wärmedämmschicht. Je nach Dämmhöhe werden die Strohballen wie im lasttragenden Strohballenbau versteift und vorgespannt oder mittels Hybridkonstruktion an der Konstruktion befestigt.

3b) Tragende Holzbox mit Außendämmung

Die Strohballen werden außen vor eine massive Wand (wie z.B. eine KLH-Holz-Box) gesetzt und bilden eine durchgehende Wärmedämmschicht. Die Ballen können z.B. mit Holzspritzguss-Schrauben (siehe S-House) befestigt werden.

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4) Strohballendächer

..werden meist in Doppelständerkonstruktion (beidseitig beplankt) ausgeführt. Als Untersicht kann eine verputzte Rauschalung, eine Brandschutzschalung (4 cm Holz Doppel-Nut-Feder) oder eine OSB-Platte mit beliebiger Oberfläche dienen. Die Außenseite wird mit doppellagigem Lehmputz, Rauschalung mit Winddichtigkeitsmembran oder diffusionsoffenen Unterdachplatten ausgeführt und ist meist zur Dachhaut (Schindeln, Ziegel, Blech, Folie mit Gründach) hinterlüftet.

4a) Thermische Sanierung von Decken zum unausgebauten Dachboden sind die einfachste Art der Dämmung. Dazu werden die Strohballen flächig schwimmend aufgelegt und mit Rauschalung oder Platten abgedeckt. Auch ein schwimmender Lehmstampfboden darauf ist möglich.

4b) Dachbodenausbau: Bsp. Strohballen-Gewölbe in Hybridsystem

Einfacher Ausbau eines Dachbodens mit Strohballen in Gewölbeform und Hilfsständern (Hybridsystem OrganiCut) aus einer Dreischichtplatte.

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5) Strohgedämmte Bodenplatten

Strohballen werden wie bei der Rahmenbauweise zwischen die Sparren eingefüllt und – beidseitig verschalt – auf die Keller- bzw. Fundamentmauern, Streifenfundamente (Windrichtung beachten) oder Punktfundamente montiert (gelegt). Idealerweise sollte eine strohballengefüllte Bodenplatte rund 50 cm unterlüftet sein. Der gewachsene Boden unter einer Bodenplatte wird mit mind. 10 cm Schotter gefüllt um die Feuchte in diesem Zwischenraum zu reduzieren. Achtung: Die OSB-Platte muss bei einer Bodenplatte innen, also oben sein, während die Konstruktion außen (unten) diffusionsoffen sein muss! Wie bei einer umgelegten Außenwand. Werden im Bodenaufbau diffusionsdichtere Materialien (Estrich, Fliesen) verwendet, kann auch die Platte an der Unterseite eine OSB-Platte sein, in diesem Fall empfiehlt es sich, außen (unten) eine 16 mm, innen (oben) eine mind. 22 mm OSB-Platte zu verwenden, um das Dampfgefälle nach Außen zu vergrößern. Ebenfalls als Unterseite geeignet: eine Rauschalung mit diffusionsoffener Winddichtigkeitsmembran.