ASBN/Strohbau News

IMAGINE ein ESBG zeitgleich in ganz Europa

vorgestellt von Herbert Gruber

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Beim letzten ESBG 2019 in Todmorden, UK, haben wir in der ESBA Generalversammlung diskutiert, wie natürliche Bautechniken, Nachhaltigkeit und Partizipation beim Bauen, also jene Grundsätze, die wir als Strohballen- und Lehmbauer besonders hoch halten, besser kommuniziert werden können.

Es ging und geht darum, dass wir zwar eine wirklich große Anhängerschaft in Europa haben und ich denke, dass ich hier durchaus bei vielen nicht nur von einer Überzeugung sondern von einer Liebe zum Strohballenbau sprechen kann. Aber wenn wir unsere Blase verlassen und uns die Zahlen anschauen, dann sind wir in der gesamten Bauindustrie trotz tausender Projekte ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Wie schaffen wir es also, über unsere treue Anhängerschaft und Freundinnen hinaus, Menschen in Europa zu erreichen? Der größte gemeinsame Event ist das alle zwei Jahre in einem anderen Land stattfindende ESBG – das Europäische Strohballenbau-Treffen. Hier treffen sich bis zu 300 Interessierte, diskutieren, tauschen sich aus, machen Workshops und hören sich Präsentationen von aktiven Strohballenbauern an. Nun, 300 Interessierte klingt für einen Event ja nicht schlecht, aber gesamteuropäisch gesehen sind wir wieder bei dem Tropfen auf dem heißen Stein, und der heiße Stein heißt seit geraumer Zeit Klimawandel.

Die Idee also, die wir in Todmorden diskutiert haben war, das ESBG in allen 11 Mitgliedsländern der ESBA zur gleichen Zeit simultan zu veranstalten, die Workshops und Ausstellungen lokal/national zu organisieren und am Abend wie beim Mondscheinkino die Länderpräsentationen in einem öffentlichen Screening – wie wir es etwa von Fußballspielen kennen – zu zeigen. Alleine dadurch würden wir in Europa zwischen 600 und 1000 Menschen einladen können. Und wenn wir dazu noch die Highligts und Länderpräsentationen wie beim Songcontest zeitgleich über YouTube-Live-Events streamen, verzehnfachen wir den Impact.

Technisch sind die meisten Trainingscenter in Europa darauf ausgerichtet, ein Programm für 50-100 TeilnehmerInnen zumindest tageweise anzubieten. Im Sommer kann vieles im Freien stattfinden, warum also nicht den Ort, das Grätzel oder die Stadt einbinden? Der Event muss auch nicht auf ein Trainingscenter pro Land beschränkt bleiben. Soweit also die Idee.

Mit Corona hat diese Idee plötzlich an Aktualität gewonnen, da aus heutiger Sicht unklar ist, ob wir Ende Juli/Anfang August überhaupt eine Europäische Veranstaltung mit 300 BesucherInnen veranstalten können und ob wir dabei auch sicher niemanden ausschließen. Ein teilweise online stattfindendes ESBG könnte im Worst Case, wenn uns ein Lockdown größere Treffen untersagt, auch ganz online stattfinden. Das ESBG abzusagen oder zu verschieben ist keine Option. Schließlich wartet der Klimawandel auch nicht, bis Corona endgültig unter Kontrolle ist, sofern das überhaupt je passiert.

In unserem Video-Blog habe ich die Vorstandsmitglieder der ESBA – der European Straw Building Association – die Co-Präsidentin Zuzana Kierulfova und unseren Schriftführer Maciej Jagielak gefragt, was sie von folgender Idee halten. Die Fragen an Zuzanna und Maciej: “Could you imagine, that a future European-wide ESBG on many different places for 3 days at the same time could work? – Könnt Ihr Euch vorstellen, dass ein Europa-weites ESBG 3 Tage lang an mehreren Orten zeitgleich funktionieren kann?“ und “What do you like and dislike on this idea?” – Was gefällt Euch an der Idee und was nicht?

Viele von Euch haben an dem einen oder anderen ESBG bereits teilgenommen. Uns würde interessieren, was Ihr dazu sagt, schreibt uns in den Kommentaren auf YouTube oder Facebook oder in unserem Forum auf baubiologie.at Eure Meinung. Und bitte merkt Euch den Termin vor: 30. Juli bis 1. August. Am 2. und 3. August planen wir eine Besichtigungstour zu Strohballenhäusern und wenn diese Vision auch von allen anderen Ländern geteilt wird, und wahr wird, gibt es diese Touren in bis zu 11 verschiedenen Ländern.

Bis zum nächsten Mal in einer Woche, dann wird es um eine VIRTUELLE Besichtigungstour zu rund 1500 Strohballenhäusern in Europa gehen. Also bleibt dran.

Über den Autor

Herbert Gruber

Netzwerker seit der Gründung des ASBN 1999, Obmann des ASBN seit 2006, Buchautor (Bauen mit Stroh, Neues Bauen mit Stroh), Gesellschafter von StrohTec (Österreichs erster Strohbaufirma), hat in Ravelsbach im Zuge eines Haus der Zukunft plus-Projektes die Virtuelle Stroh-Baustelle ins Leben gerufen, wo seit 2010 regelmäßig Workshops stattfinden. 2015 gründete er die Kooperation StrohNatur, die nun auch Strohballenhäuser (mit und ohne Workshops) errichtet.